Mehr als 50% der Bevölkerung erleidet zumindest einmal im Leben einen Schulter-Arm-Schmerz. Bei etwa 85% der Bevölkerung im siebten Lebensjahrzehnt sind degenerative Veränderungen an der Halswirbelsäule (HWS) nachweisbar, die jedoch meist asymptomatisch sind. Am häufigsten sind die Bandscheiben zwischen dem 5. und 6. sowie zwischen dem 6. und 7. Halswirbelkörper betroffen, seltener auch das Segment HWK 4/5. Vereinzelt kommen auch Bandscheibenvorfälle in den Höhen HWK 3/4 und HWK 7 / BWK 1 vor.

Symptome

Ein akut einsetzender Nacken-Schulter-Arm-Schmerz bis zum 45. Lebensjahr weist meist auf einen Bandscheibenvorfall hin. Viele Patienten klagen auch über Kopfschmerzsyndrome, die sich über die reaktiven Verspannungen der Nackenmuskulatur erklären lassen. Die Schmerzausstrahlung verläuft oft vom Nacken über die Schulter bis in den Arm und die Finger, ggf. auch verbunden mit Taubheitsgefühlen oder einem Kribbeln. Bei besonders starken Schmerzen ist auch die Beweglichkeit der Halswirbelsäule eingeschränkt, die Patienten können die Schmerzen durch entsprechende Bewegungen regelrecht provozieren. Auch das Liegen fällt vielen schwer, da es zu einer Schmerzzunahme kommt, so dass viele Patienten dann lieber im Sitzen schlafen.

Das gravierendste Symptom ist das Auftreten von Lähmungen im Arm- oder Handbereich, die durch den Druck des Bandscheibenvorfalles auf die entsprechende Nervenwurzel verursacht werden. Bei sehr großen Vorfällen kann es auch zur Quetschung des Rückenmarkes kommen. Dies kann letztlich bis zu einer kompletten Querschnittlähmung führen. Wenn akute Lähmungen auftreten handelt es sich um einen Notfall. Der Patient sollte sich umgehend in einer wirbelsäulenchirurgischen/neurochirurgischen Klinik vorstellen.

Diagnostik

Zunächst sollte vor jedem weiteren diagnostischen Schritt das Gespräch mit dem Patienten und seine Untersuchung stehen. Im Bereich der Halswirbelsäule finden sich oftmals Überlagerungen mit einer lokalen Schultererkrankung, die ggf. selbst auch zu einem erheblichen Schmerzsyndrom mit Ausstrahlung in den Arm und Bewegungseinschränkungen einhergehen können. Auch ein Kompressionssyndrom der Armnerven sollte elektrophysiologisch ausgeschlossen werden. Darauf aufbauend erfolgt dann die Bildgebung mit MRT, CT und konventionellen Röntgenaufnahmen

Therapie

Ohne gravierende neurologische Symptomatik sollte zunächst eine konservative Therapie durchgeführt werden. Hierzu wird meist eine Kombination von Schmerzmedikation, physikalischen Maßnahmen, Physiotherapie Ct-gesteuerte Nervenwurzelinfiltrationen und Zeit zum Einsatz kommen. Bei anhaltenden Beschwerden oder gravierenden neurologischen Ausfällen führt meist kein Weg an einer Operation vorbei.

Über die letzten Jahrzehnte hinweg hat sich hierbei die Operation von vorne mit Entfernung der zerstörten Bandscheibe und Abtragung etwaiger Knochenkanten an den Wirbelkörpern als die am häufigsten angewandte Methode etabliert. Als Platzhalter für die entfernte Bandscheibe kommen hierbei in der Regel Interponate aus Titan oder Polyetheretherketon (PEEK) zum Einsatz. Bei sehr weit seitlich liegenden Bandscheibenvorfällen kommt auch eine Operation von hinten in Betracht. Da bei dieser Methode die Bandscheibe nicht komplett entfernt werden kann, besteht die Gefahr eines erneuten Vorfalles.

 

Nach der Operation schließt sich üblicherweise nur ein kurzer Krankenhausaufenthalt an, eine weitere stationäre Rehabilitationsbehandlung ist in der Regel nicht notwendig. Am Folgetag der Operation werden die Patienten remobilisiert und je nach Fortschritt zwischen dem 3. und 7. postoperativen Tag in ihr häusliches Umfeld entlassen. Hier sollten sie sich aber die nächsten 4 Wochen noch schonen. Bei bestehenden Lähmungen müssen diese entsprechend physiotherapeutisch behandelt werden.

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